24.07.2026
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Istrienreise der Senior:innen: 6 Tage im Mai 2026 – ein letztes Mal mit Jules Deon
Bunt, geschichtsträchtig, wunderschöne Landschaften, ob Küste oder im Innern der Halbinsel, super Organisation durch Heinz Haas, Luft nach oben bezüglich Kulinarik und Umgebung (Gruss an Twerenbold), insgesamt etwas, das ich nicht hätte missen wollen. Schon hier grosser Dank an Heinz.

Text: Reto Diezi
Hallo…, Hallöööchen … mit einer weichen Fülle ins Mikrofon gehaucht. Es ist Dienstag, der dritte Tag der Senior:innenreise nach Istrien, knapp nach halb neun, wir haben gerade den Parkplatz des Hotels in Novigrad (für die rund 10-prozentige italienische Minderheit Cittanova) verlassen. Sandra, unsere lokale Reiseführerin, 53-jährig, Mutter erwachsener Kinder, verheiratet mit einem hohen Tier in der kroatischen Kriegsmarine, aus Düsseldorf stammend, Betriebswirtin mit Touristikstudium, begleitet uns seit einem Tag und während der ganzen Zeit in Istrien.
Weich und einladend ihre ersten Worte, darauf die klare Ansage zum Tagesprogramm, mit gelegentlichen Pausen, die sie uns grosszügig zugestand. Sie sorgte für eine beeindruckende Dichte an Informationen zu Istrien, Kroatien und dem restlichen ehemaligen Jugoslawien. Hand aufs Herz, hast du dich je mit der Geografie Kroatiens beschäftigt? Ein Land etwa doppelt so gross wie die Schweiz mit etwa einem Drittel Wasseranteil und Osijek, dort wo Krieg war, weit im Osten. Schon die Form einer Sichel ist mehr als beeindruckend. Jetzt knapp 4 Millionen Einwohner, es waren einmal eine Million mehr, und in Istrien leben gerade mal 207 tausend Menschen.

Heute Dienstag geht es nach Pula, der grössten Stadt Istriens mit dem Amphitheater, das Sandra zum Anlass nahm, uns in die volle Brutalität römischer Sitten und Gebräuche einzubeziehen. Dann die Tito-Inseln Brioni und der Blick zurück in die fünfziger Jahre als Tito mit Nasser und Nehru die Bewegung der Blockfreien Staaten gründete. Die Inseln sahen Könige und Staatsführer. Tito beherrschte sein Spielfeld, Klima und Schönheit der Inselgruppe wusste er als Gastgeber zu nutzen; wir erlebten die ganze Pracht von Inseln, Meer, bezaubernder Flora und den noch verbliebenen Tieren in seinem Tierpark zur Mehrheit aus einem Inselbähnlein heraus, informiert durch Daniel, noch nicht so lange aus Deutschland zurück.
Am Mittwoch gings dann sogar um 8 Uhr los, dazu später mehr. Kein Problem für frühaufstehende Senior:innen, die am Sonntag bei besten Wetterverhältnissen um 7 Uhr vom Busbahnhof in Zürich in der Königsklasse zum 12-Stundentrip starteten. Diesmal kein Zu-Spät-Kommens-Drink von Jules, den wir vor seiner Cola in Pula weise in sich gekehrt erleben durften, und der uns leider am 12. Juli für immer verlassen hat. Leider auch keine Zahlenspiele mehr mit Giez, Max Giezendanner, der Ende April verstorben ist und auf Elba mit Trudi noch dabei war. Wir trauern um zwei liebe Kameraden, Freunde, Menschen, LCZler durch und durch.

Und wir erhielten Zuwachs durch die Sigi-Stammbach-Nach-nach-Nachfolgerin, die für mich so unerwartet und frisch auf der Matte stand und einen so unbekümmerten Bogen zu unserem Alterspräsidenten schlug. Wohl mal reinschnuppern bei den älteren Buebä und Meitli. Die 150 Schüler, die sie führt, ein Klacks dagegen?
Damaris Allotey hat den Laden ganz schön in Bewegung gebracht, jüngeres Blut, keck, liebevoll und umsichtig zugleich. Sie weiss mit uns älteren Semestern umzugehen und hat mit ihren gelungenen Fotos und Videos uns in Winkel gebracht, die wir in der verfügbaren Zeit nie hätten erreichen können, die digitale Ergänzung zu einem Programm, das analog gelegentlich im Café an schöner Aussichtslage landete. Danke Damaris, sei auch beim nächsten Mal dabei.
Dank auch an Hubert, unseren sympathischen Chauffeur, der uns ab Erstfeld sicher durch den staufreien Gotthard via Chiasso, Mailand, an Bergamo vorbei nach Triest und dann durch einen Streifen Slovenien ins kroatische Novigrad führte. Ebenso souverän seine Rückfahrt, diesmal am Freitagabend, vorbei am kilometerlangen Stau auf der Gegenfahrbahn schon in Chiasso und bis vor den Ceneri. Eine umsichtige Zeitplanung von Heinz. Nicht nur sie haben wir zu verdanken, die bis ins wesentliche Detail getroffenen Vorbereitungen sind kaum zu überbieten.
Der Montag war dem Hinterland von Novigrad oder eben Cittanova gewidmet. Buje, Groznjan, Motovun waren die Stationen, erreicht durch unberührte Busch- und Waldlandschaften, jedes Städtchen mit seiner eigenen Geschichte. Hier der Verweis auf das Programm oder noch besser Wikipedia. Dann in Livade die Einladung zu Trüffelnudeln bei Zigante Tartufi, super Laden, aber für den grossen Auftritt waren wir vermutlich für die Küche etwas zu früh.
Hallo…, Hallöööchen … heute Mittwoch wie angekündigt schon knapp nach 8 Uhr: Rovinj, Porec und der Limfiord auf dem Programm, von Porec, oder nochmals etwas italienisch, von Parenzo ging es mit dem Schiff der Küste entlang nach Rovinj, eine Reise wert, und dann in den Limfiord, dessen Ende wir allerdings nicht erreichen konnten.
Eine wunderschöne Schiffsreise, betitelte Damaris ihre Foto-, Video-Zusammenfassung, man hätte auch da an jedem Ort weiter verweilen können.
Am Donnerstag zum letzten Mal Sandras «Hallo…, Hallöööchen … ». Schon wieder letzter Tag auf der Insel, nach Hinterland und Küste heute in die Tiefe: Die Baredine-Grotte empfing uns, ganz schön tief, die 60 m runter, Stufe für Stufe und wieder hoch und beeindruckend, was wir da an Gesteinsformationen sahen, Seniorengestein, etwas älter als wir. Dann zur Weinprobe bei Fakin, draussen unter Sonnenschirmen und Weine, die zum Kauf Anlass gaben, dazu Käse, hervorragenden Schinken und Brot, einfach gelungen. Dazu der «Segen» von Kurt für Jules und Damaris. Schliesslich noch zum besten Olivenöl Europas. Nach kurzer Einführung in die richtige Verkostung war die Kaufes Lust getriggert. Auch wir kauften, obwohl wir das beste Olivenöl Europas in Ligurien vorzufinden glauben. Am Abend in der Konoba Tri Palme, die Wärme und letzten Sonnenstrahlen geniessend, dann individuell oder im Bus zurück zum Hotel um die Schweizer Eishockeyaner siegen zu sehen.
Mit dem Blick zurück und nachhallend, eine erneut dichte und gelungene Reise.
Schön war es mit Land und Leuten in Kroatien und in der Königsklasse, nochmals danke Heinz.
