19.03.2026
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Schneller, höher, weiter – auch wenn’s eng wird unter der Letzigrund-Tribüne
Der Boom der Schweizer Leichtathletik zeigt sich auch in Zürich, etwa beim LC Zürich. Das führt zu Platznot. Gerade im Winter und im Wintertraining ist dies eine Herausforderung.

Text: Jörg Greb / Zürisport (ZSS)
Bilder: Sticker Photo / LCZ / athletix.ch
Keine Spur von Sportferien-Flaute an diesem Donnerstag-Nachmittag unter der Haupttribüne des Letzigrund-Stadions. Es herrscht Hochbetrieb. Gestaffelt kommen die jungen Athletinnen und Athleten in diesen von aussen und von der Stadiontribüne kaum bemerkten Teil des Stadions. «Heute sind wir nochmals knackig unterwegs», verkünden die Trainerinnen und Trainer an. Denn zehn Tage später steht für diese jungen Sportlerinnen und Sportler der Höhepunkt der Winters an: die Schweizer Nachwuchsmeisterschaften in der Halle.
Wie immer trainieren sie an vorzüglicher Stätte. Fünf Indoor-Sprint-Bahnen stehen zur Verfügung, eine Weitsprunggrube, eine Sporthalle, ein Kraftraum und diverse Fahrradergometer fürs Training auf der Empore. Ebenso gibt es Garderoben, Duschen, Toiletten, Massageräume, Büros. Ideale Möglichkeiten gerade an einem garstigen Wintertag mit viel Regen und Wind.
Formiert sind die LCZ-Talente in Alters- und Trainingsgruppen à acht bis zehn Personen. Sie folgen den Anleitungen ihres Trainers oder ihrer Trainerin. Simon Märki nimmt sich an diesem Nachmittag der U18 und U20 an. «Chömed», sagt er nach dem Warm-up und spezifischen Lauf- und Sprint-Sequenzen. Nun gilt die Aufmerksamkeit dem Weitsprung, genauer: dem Anlauf. Die Schrittfolgen, die Länger der letzten Schritte, der Körperschwerpunkt und dessen Verschiebungen geniessen Beachtung. Und anschliessend der einem impulsive Absprung.


Reife Reflexion
«Und?», fragt Märki nach der Landung in der Sandgrube, «was sagst du zu deinem Sprung, Noemi?» Direkter an die junge Sportlerin gerichtet, ergänzt er: «Du bist die Expertin und kannst deinen Empfindungen reflektieren.» Die U18-Athletin Noemi Dike runzelt die Stirn, «das war nicht das, was ich wollte. Der letzte Schritt war zu lang. Das Umsetzen der Energie in die Höhe gelang mir nicht.» Märki schmunzelt: «Das war alles in allem ganz ok. Verschiebe deinen Anlauf eine Fusslänge nach vorn und achte darauf, dass du einen letzten Schritt dynamischer machst und weniger in die Länge ziehst.»
Mitglied im LCZ-Nachwuchsteam zu sein, ist ein Privileg – das wird an diesem Trainingsnachmittag rasch ersichtlich. Weiterkommen, Fortschritte machen, Erfolge ansteuern und feiern, darum geht es bei sämtlichen Sparten. Und je nach Präferenzen lassen sich Schwerpunkte betonen. Generell gilt: Spass haben in der Gruppe, voneinander profitieren, sich gegenseitig inspirieren, darauf kommt es an. Und es sorgt für Dynamik. Aber – und das betont etwa Dike: «Die Leichtathletik ist eine Einzelsportart, da zählt deine eigene Leistung. Ich strebe das Beste für mich an, ich will besser werden und gewinnen.»

Und das gilt umso dezidierter, je älter die Mitglieder sind: nicht nur im Verein, im Kanton oder der Schweiz, sondern längerfristig auch international. «Wir wollen unsere Athletinnen und Athleten möglichst weit bringen», sagen die LCZ- Trainer . Mitunter gehört aber auch eine Fluktuation dazu. Wer weiterkommen will, braucht Disziplin, Trainingseifer, aber auch die körperlichen Voraussetzungen, Robustheit und Glück. Wichtig in diesem Gefüge: Es gibt nicht einen Weg, sondern viele. Orlando Rauber illustriert dies. Der 16-Jährige spielte bei den Junioren des FC Adliswil Fussball, ehe er in die Leichtathletik wechselte. Innert kürzester Zeit stieg er zum schnellsten U18-Sprinter der Schweiz über 60 m auf.

Innige Hoffnung
Und noch zum alltäglichen Platzmangel unter der Letzi-Tribüne. «Wir suchen ständig nach Optimierungsmöglichkeiten», sagen die Haupttrainer. Dazu passt die jüngst aufgenommene Kooperation mit dem TV Kloten – nun LC Zürich in Kloten – ebenso wie der «Aussenposten» im Liguster-Schulhaus in Oerlikon. Und dazu kommt die Hoffnung, dass sich das Hallenprojekt auf dem Fussball-Trainingsplatz neben dem Letzigrund-Stadion möglichst rasch verwirklichen lässt.
>>> Zum Interview mit dem LCZ-Nachwuchsverantwortlichen Daniel Baumgartner